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Strategien für Online-Akademien – worauf kommt es an?

E-Learning in Deutschland

Die Geschichte des E-Learnings in Deutschland beginnt mit einem Irrtum. Als das Internet nämlich zum Jahrtausendwechsel an Bedeutung gewann und Start-Up-Unternehmen wie Pilze aus dem Boden schossen, blieb auch das Online-Lernen nicht vor der Multimedia-Euphorie verschont. Dass E-Learning die traditionellen Lernformen vollständig ersetzen würde, war zwar schon damals unvorstellbar, aber vor dem Hintergrund des rasanten technischen Fortschritts war die zukünftige Entwicklung nur schwer abzusehen. Wieso sollte E-Learning also nicht die traditionellen Lernformen revolutionieren können?

Heutzutage wissen wir es besser, denn nach der Euphorie kam die Ernüchterung: E-Learning hat sich zwar als eigenständige Lernform etabliert, aber eher am Rande und nicht mit der prognostizierten Dominanz. In der Praxis setzen sich insbesondere Mischformen durch, die E-Learning-Sequenzen mit dem traditionellen Unterricht verbinden. "Blended Learning" ist das Zauberwort für diese Erscheinung und meint die Verquickung unterschiedlicher Lernformen – je nach Bedarf und Anforderung.


Rechnet sich E-Learning?

Für Bildungsstätten bedeutet diese Entwicklung eine Abkehr von den hohen Erwartungen der ersten Stunde hin zu einer Orientierung auf pragmatische Lösungen. Für Bildungsanbieter sind daher folgende Fragen für den Einsatz von E-Learning entscheidend: Verbessert E-Learning die Qualität des Seminars? Entsteht ein echter Mehrwert für die Teilnehmer? Rechnet sich der Einsatz teuer E-Learning-Software?

Die Antworten auf diese Frage ergeben ein kontroverses Bild, das es Bildungsanbietern nicht immer ganz leicht macht, eine klare Entscheidung für oder gegen E-Learning zu treffen. Einerseits spricht die Begeisterung ehemaliger Teilnehmer für Online- bzw. Blended-Learning-Seminare. Andererseits, so zeigt sich in der Praxis, ist es überhaupt nicht einfach, Teilnehmer für E-Learning-Seminare zu finden. Außerdem sind die Kosten für E-Learning nicht unerheblich und rechnen sich nur, wenn die Seminarangebote auch verkauft werden.


Erfolgsfaktoren einer Online-Akademie

Vor diesem Hintergrund, überlegen sich Bildungsanbieter ganz genau, ob sie eine eigene Online-Akademie betreiben wollen. Zu mühsam und wenig erfolgreich scheint das Unterfangen. Aber es gibt auch positive Beispiele von Berufsbildungszentren, für die E-Learning bereits ganz selbstverständlicher Bestandteil des Seminarprogramms ist. Die Bildungsstätten des Handwerks können beispielsweise auf langjährige Erfahrungen zurückblicken, und die zeigt u.a., dass der Erfolg einer Online-Akademie insbesondere von zwei Faktoren abhängt: von einer geeigneten Geschäftsstrategie und von gut qualifizierten Mitarbeitern.

Die Unternehmensstrategie bestimmt, inwiefern E-Learning durch Marketing und Vertrieb unterstützt wird. Sie gibt für die Bildungsstätte ferner vor, ob E-Learning als eigener Geschäftsbereich oder nur als ein Bestandteil des Seminargeschäfts verstanden wird. Letzteres scheint für viele Bildungsstätten zurzeit erfolgsversprechender zu sein, denn mehr und mehr wird die administrative Trennung zwischen Online- und Präsenz-Seminaren zugunsten einer integrierten Vorgehensweise aufgehoben. Das entspricht nicht nur dem Grundgedanken des Blended Learning, sondern ermöglicht auch neue Kalkulationsspielräume: Mit Selbstlernphasen via multimedialer Lernprogramme können beispielsweise Dozentenhonorare und Raumkosten eingespart werden, damit die Investitionskosten für Lernprogramme und Lern- und Kommunikationsplattform sowie die laufenden Kosten der Online-Akademie aufgefangen oder zumindest reduziert werden können. Das ist in der Theorie natürlich leichter gesagt als getan. Fest steht jedoch, dass Online-Akademien maßgeschneiderte Geschäftsstrategien bedürfen, die besonders zu Beginn etwas Mut und langfristig eine konsequente Umsetzung bedürfen.

Jede Online-Akademie steht und fällt zudem mit den verantwortlichen Mitarbeitern vor Ort, denn sie sind nicht nur für die Kursplanung- und –gestaltung sowie für die Administration der Software und Technik, sondern auch für die Kundenbindung und die erfolgreiche Durchführung der Seminare verantwortlich. Gerade weil E-Learning immer noch recht unbekannt ist und teilweise skeptisch beäugt wird, müssen die Verantwortlichen für eine hohe Teilnehmerzufriedenheit sorgen, damit die Lobby für das Online-Lernen durch positives Feedback gestärkt wird. Das bedarf besonderes Fingerspitzengefühl und Fachkompetenz. Genauso wenig, wie traditionelle Unterrichtskonzepte auf E-Learning-Seminare übertragen werden können, sind nämlich Dozenten und Schulungsleiter bereits per se für die Tätigkeit in einer Online-Akademie qualifiziert. Eine spezielle Ausbildung ist grundsätzlich zu empfehlen, denn auch langjährige Erfahrungen im Schulungsbereich können die erforderlichen Fachkompetenzen nicht ersetzen. Der externe Support durch Partnerfirmen (beispielsweise Contentlieferanten oder Anbieter der verwendeten E-Learning-Software) sollte zudem zwar zusätzlich gewährleistet sein, kann aber in keinem Fall den Fachmann im Hause ersetzen.


Ausbildung zum Online-Tutor

Wer sich für die Tätigkeit als Online-Tutor qualifizieren will, kann mittlerweile aus einer Vielzahl von Weiterbildungsangeboten wählen. Ganz einfach ist die Auswahl allerdings nicht, denn die verschiedenen Angebote unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander. Manche Ausbildungen dauern beispielsweise nur 2-3 Wochen, andere gleich 4 Monate. Einige Weiterbildungsangebote haben einen sehr hohen Präsenzanteil, andere sind ausschließlich als Online-Lehrgang konzipiert. Interessierte sollten sich bei der Auswahl eines geeigneten Angebotes Zeit nehmen und sich vor allem mit den Lehrgangsinhalten auseinander setzen. Entscheidend ist insbesondere auch die Zielsetzung der verschiedenen Qualifizierungen, denn während manche Ausbildungen nur auf die Durchführung von Online-Seminaren vorbereiten, sind andere auch darauf ausgerichtet, die Entwicklung von Seminaren und Lernprogrammen einzuüben. Welche weiteren Kriterien für die Auswahl einer geeigneten Tutoren-Ausbildung entscheidend sind, erläutert Dr. Rudolf Schröder von der Universität Paderborn in einem Interview.

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