Was gute Online-Betreuung ausmacht
Online-Lernen braucht Betreuung - dies hat nicht zuletzt die Stiftung Warentest bei Ihrem Test von Online-Weiterbildungen im Jahr 2001 festgestellt. Doch was macht eigentlich eine gute Betreuung beim Online-Lernen aus? Denn klar ist - ein guter Präsenztrainer ist nicht automatisch auch ein guter Online-Tutor.
Begrifflichkeiten
Hier wären wir auch schon beim ersten Problem angelangt. Wie nennt sich denn jemand, der die Lernenden bei einem Internetkurs betreut? Tele-Tutor, Online-Coach, Net-Trainer, E-Moderator - es gibt beliebige Variationsmuster der Begriffe die nicht eindeutig definiert sind, sondern meist vom jeweiligen Weiterbildungsanbieter abhängen. Doch es gibt zwei Kriterien, an denen man sich trotz der Begriffs-Verwirrung orientieren kann. Zum einen die Frage, ob der Kurs überwiegend asynchron stattfindet - also zeitlich versetzt u.a. in Foren - oder aber ob synchrone Sitzungen im Chat oder im virtuellen Klassenzimmer im Vordergrund stehen, an denen alle Teilnehmer verbindlich zur gleichen Zeit teilnehmen müssen. Zum anderen die Rollen und Aufgaben der Online-Betreuer während des Kurses.
Werkzeuge und Aufgaben
Die Mehrzahl der Angebote beim Online-Lernen findet asynchron statt, da diese Form den Lernenden viele Vorteile bietet wie z.B. räumliche und zeitliche Unabhängigkeit. Zudem bietet ein Online-Kurs die Möglichkeit, Lernende in Gruppen zusammenzufassen, so dass die Teilnehmer sich gegenseitig unterstützen und Anregungen geben können. Die optimale Gruppengröße liegt zwischen 6 und 10 Lernern pro Gruppe.
Als Werkzeuge kommen hier Foren und ein so genannter Workspace zum Einsatz. Auf einem Workspace können Dokumente abgelegt und gemeinsam bearbeitet werden. Für die Tutoren bzw. Trainer steht beim asynchronen Lernen im Vordergrund, die Lernprozesse in den Gruppen in gang zu setzen, die Bearbeitung der Gruppenaufgaben zu unterstützten und die Kommunikation in den Gruppen zu moderieren. Denn wie im Präsenzseminar gibt es auch online stumme und übereifrige Teilnehmer, die den Lernerfolg der Gruppe beeinträchtigen können. Und wenn niemand sich im Forum traut die erste Frage zu stellen, dann ist der Tutor gefordert, den Teilnehmern über die Hemmschwelle zu helfen.
Diese Hemmschwelle gibt es im virtuellen Klassenzimmer nicht so sehr, da es dem traditionellen Präsenzunterricht am nächsten kommt. Es ermöglicht die Übertragung der Stimme und eines (Video-)Bildes und man kann Teilnehmer direkt ansprechen. Zudem können Folien gezeigt und Programme über das Internet gemeinsam genutzt werden. Doch die Gefahr einer Überforderung der Teilnehmer ist hier relativ groß. Monotone Vorträge sind im virtuellen Klassenzimmer noch ermüdender als im Hörsaal.
Die verschiedenen parallelen Kommunikationswege stellen zudem eine große Herausforderung an den Online-Trainer dar. Er trägt vor, während ein Teilnehmer sich zu Wort meldet und ein anderer eine Frage direkt in den Chat schreibt. Deswegen wird hier gerne ein Co-Moderator bzw. Co-Trainer eingesetzt, der z.B. den Chat beobachtet und für technische Fragen zur Verfügung steht, oder der einfach bestimmte Teile der Sitzung übernimmt.
Das virtuelle Klassenzimmer kann aber auch für Gruppenarbeiten und Teammeetings genutzt werden. Man kann z.B. eine Matrix vorbereiten, in der jeder seine Meinung zu einem bestimmten Thema hineinschreiben kann oder Punkte vergeben kann wie an einer Flipchart. Hier stehen für den Online-Trainer ähnlich wie beim asynchronen Online-Lernen die Steuerung und Moderation der Gruppenprozesse im Vordergrund.
Was ist nun das besondere an der Online-Betreuung?
In erster Linie muss die Technik funktionieren und der Tutor muss sie richtig einsetzen können. Der beste Online-Kurs wird zum Fiasko, wenn die Teilnehmer erst gar nicht auf die Lernumgebung kommen, Probleme bei der Installation der Software haben oder aber eine Firewall unüberwindbar ist. Online-Tutoren müssen zwar keine technische Hotline ersetzen, sollten allerdings in der Lage sein, die technischen Probleme richtig einzuordnen und erste Hilfe zu leisten.
Eine weitere Besonderheit im virtuellen Raum ist die Kommunikationsform. E-Mails und Forenbeiträge werden gerne hastig und etwas salopp im Stil verfasst, was zu Missverständnissen oder gar Missstimmungen führen kann. Hier gilt es für die Tutoren auch zwischen den Zeilen lesen zu können und frühzeitig Unklarheiten zu beseitigen. Klare Vereinbarungen zu Beginn eines Online-Kurses sind für Lernende wie Betreuende gleichermaßen hilfreich.
Da beim Online-Lernen die Teilnehmer mehr gefordert sind, ihren Lernprozess selbständig zu organisieren, ist eine wesentliche Aufgabe des Tutors, die Teilnehmer zu motivieren. Sie sollten regelmäßig Nachfragen, ob alles in Ordnung ist. Nur so lässt sich herausbekommen, ob der Teilnehmer in Ruhe die Aufgabe bearbeitet oder wegen Überforderung sich nicht getraut eine Frage zu stellen.
Schließlich sind Online-, Tele- oder Net-Trainer gefordert, das Gesamtkonzept ihres Online-Kurses mediengerecht umzusetzen. Das bedeutet konkret die Inhalte müssen entsprechend aufbereitet und strukturiert sein. Von großer Bedeutung sind zudem die Aufgabenstellungen, die die Teilnehmer motivieren sollen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Diese können von Thema zu Thema variieren. So können z.B. angehende Online-Tutoren üben, wie man eine Einladungsmail oder einen Forenbeitrag verfasst, eine Struktur für eine gemeinsame Datenablage überlegen bis hin zur Moderation eines Chats. Beliebt sind zudem interaktive Multiple-Choice-Tests, Quizzes und ähnliches, die dem Lernenden sofort Rückmeldung geben, ob eine Antwort richtig oder falsch ist.
Moderne Lernplattformen bieten zum Teil sehr viele Möglichkeiten die Betreuungsarbeit zu unterstützen. Sie ermöglichen Daten über das Lernverhalten der Teilnehmer zu speichern. Beim so genannten "Learner Tracking" werden zum einen statistische Angaben gespeichert, wie zum Beispiel wann ein Teilnehmer auf die Lernplattform zugegriffen hat. Darüber hinaus können Zwischenergebnisse gespeichert und beim nächsten mal weiterbearbeitet werden. Diese beschriebenen Funktionen sind vor allem in der betrieblichen Weiterbildung sehr gefragt, wenn Mitarbeiter selbständig Themen multimedial bearbeiten.
Kombination der verschiedenen Lernformen
Ein Online-Kurs bietet Chancen und Möglichkeiten verschiedene Lernformen miteinander zu kombinieren, die so nicht immer im Präsenzunterricht gegeben sind. Deswegen sollte die Frage auch nicht lauten, entweder Präsenz- oder Online-Unterricht, sondern sollte sich um die richtige Zubereitung der verschiedenen Zutaten drehen. Online-Lernphasen können als Vor- oder Nachbereitung zu Präsenzseminaren und Sitzungen im virtuellen Klassenzimmer eingesetzt werden. Für bestimmte Inhalte, die sich auf das Internet beziehen, ist Online-Lernen sogar besser geeignet, zum Beispiel wenn es darum geht zu lernen, wie ein Forum moderiert werden kann.
Auch hier ist die Kompetenz von Online-Trainern gefragt, um entscheiden zu können, welche Inhalte und Fragestellungen besser online bzw. in Präsenz thematisiert werden. Meistens bietet es sich an, die wertvollen Präsenzzeiten zu verwenden, das Gelernte zu vertiefen und anzuwenden. Zum Beispiel bei einem Seminar zu Kommunikation und Präsentation.
Betreuung will gelernt sein
Und gute Betreuung von Online-Lernenden muss ebenso gelernt werden wie die Fähigkeit zum guten Unterrichten in Präsenz. Der Markt an Qualifizierungen ist mittlerweile sehr unübersichtlich geworden. Als angehender Tutor sollte man jedoch auf einen starken Praxisbezug im Kurs achten. Dies geht selbstverständlich besser in einem Online-Kurs als in einem Wochenendseminar mit PC-Pool. Als Teilnehmer sollte man darauf achten, welche Qualifikation die Tutoren haben und wie viele Teilnehmer von einem Tutor betreut werden. Denn selbst der beste Tutor kann nur eine bestimmte Anzahl an Lernenden effektiv betreuen.
Links zum Thema:
Interview mit der Online-Tutoring Ulrike Ernst
Online-Blog des Tutors Ralph Müller
Portal zum Thema E-Teaching an Hochschulen
Ein Beispiel für ein Lernprotokoll












