Veranstaltungsformen der politischen Bildung
Die Formen politische Bildung sind so vielfältig wie die Inhalte, und in den letzten Jahren haben die Planenden viele neue Veranstaltungsformen ausprobiert und angeboten:
Da politische Bildung erfahrungsgemäß ein schwieriges Feld ist und es nicht immer leicht fällt, für politische Bildungsveranstaltungen eine hinreichende Resonanz zu finden, müssen Veranstaltungen zur politischen Bildung so fantasievoll, abwechselungsreich und attraktiv konzpiert, gestaltet und durchgeführt werde, dass sich genügend viele Menschen gegen konkurrierende Angebote für das Angebot der politischen Bildung entscheiden.
Zwar nimmt die Zahl der ‚klassischen’ Kursformen über mehrere Abende ab, aber es gibt durchaus noch viele Veranstaltungsformen, die sinnvoll, zweckmäßig und attraktiv sind:
Vorträge interessanter Experten oder Prominenter finden ebenso gute Resonanz wie Podiumsdiskussionen, die möglichst kontroverse Auseinandersetzungen versprechen. Der Trend zu kompakteren Veranstaltungsformen hält an: Da für viele Menschen die Terminknappheit immer problematischer wird, finden viele Veranstaltungen zur politischen Bildung inzwischen in kompakter Form an einem Abend (Langer Abend, Kompaktseminar am Abend), am Wochenende oder an einem Feiertag statt. Besonders gut laufen Veranstaltungen, die politische Bildung mit Exkursionen verbinden und "Blicke hinter die Kulissen“ ermöglichen – nach dem Motto: von der Sitzung zur Bewegung. Diese Formen ‚aufsuchender Bildungsarbeit’ bieten authentische Erlebnisse, Entdeckungen, Erkundungen u.a. und entsprechen offensichtlich dem Bedürfnis vieler Menschen. Insgesamt sind Angebote zur politischen Bildung dann attraktiv, wenn sie das bieten, was die 'Konkurrenz’ (z.B. das Fernsehen) nicht leisten kann: Politik live und von Angesicht zu Angesicht.
Kontrovers, offen und fair: Wie sollte politische Bildung ablaufen?
Politische Bildung ist diskursiv-reflexiv ausgerichtet, soll also zur Meinungsbildung beitragen, nicht aber Meinungen oder Interpretationen oktroyieren. Damit politische Bildung zwar kontrovers, aber fair ablaufen kann, benötigt sie ein Minimum an Konsens, damit wir uns in einer demokratischen Streitkultur ein Maximum an unterschiedlichen Meinungen leisten können. Damit die Teilnehmenden an politischen Bildungsveranstaltungen engagiert, authentisch und meinungsfreudig diskutieren können, ohne Sanktionen fürchten zu müssen, gibt es bestimmte professionelle Standards, die in der Bundesrepublik nahezu unumstritten bei allen gelten, die in der politischen Bildung tätig sind:
Der „Beutelsbacher Konsens“ entstand in einer Zeit heftigster politischer Konfrontationen und unfruchtbarer Grabenkämpfe. 1976 einigten sich in Beutelsbach (in der Nähe von Stuttgart) führende Vertreter der politischen Bildung auf drei entscheidende Prinzipien für die politische Bildung:
- Überwältigungsverbot: Es ist nicht erlaubt, Teilnehmende an politischen Bildungsveranstaltungen mit Tricks o.ä. zu überrumpeln, zu indoktrinieren und sie daran zu hindern, ein selbständiges Urteil zu gewinnen.
- Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch in der politischen Bildung als kontrovers dargestellt und vermittelt werden.
- Die Teilnehmenden müssen in die Lage versetzt werden, dass sie ihre eigene Situation zum Ausgangspunkt für die Analyse der politischen Situation machen können, und dass sie folglich nach Mitteln und Wegen suchen können, die politische Situation in ihrem Sinne zu beeinflussen.











