Politische Bildung

Politische Bildung

Die Schwierigkeit mit der politischen Bildung beginnt bereits damit, dass sie sich hartnäckig definitorischer Anstrengungen entzieht. Auch wer über langjährige Erfahrungen in der politischen Bildungsarbeit verfügt, gerät in Verlegenheit, wenn er das, was er betreibt, bündig bestimmen soll. Je intensiver man über eine Definition der politischen Bildung nachdenkt, um so mehr scheint sich der Gegenstand zu verflüchtigen, weil es so viele Facetten gibt, die eine Rolle spielen.

„Die“ politische Bildung gibt es nicht, weil sie in unterschiedlichsten Weisen erworben und erfahren wird: zunächst in der Schule und dann außerschulisch-privat z.B. durch die Lektüre von Zeitungen oder durch den Besuch eines vhs-Kurses, durch das Engagement in einer Bürgerinitiative oder durch die Mitarbeit in einer politischen Partei.


Da allerdings ein inflationärer Gebrauch des Begriffs politschen Bildung wenig hilfreich wäre, könnte politsche Bildung wie folgt definiert werden:

Politische Bildung ist eine Sammelbezeichnung für absichtsvoll organisierte Veranstaltungen zur rationalen Auseinandersetzung mit der politischen Wirklichkeit mit dem Ziel, Kompetenzen auszubilden, die es dem Menschen ermöglichen, sich (besser) im politischen Bereich zu orientieren. Als ‚politische’ werden dabei – in Anlehnung an die griechische Ursprungs-Bedeutung des Wortes – „öffentliche Angelegenheiten“ verstanden.

Politik bedeutet also, wie Max Frisch formulierte, „sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen“, und politische Bildung unterstützt die Bürgerinnen und Bürger dabei.

Demokratie ist kein Naturzustand und kein Geschenk. Demokratie, die uns so selbstverständlich zu sein scheint, ist eine in Jahrhunderten erkämpfte Errungenschaft höchsten Ranges. Wie gut und wie lebendig unsere Demokratie funktioniert, hängt von uns allen ab: Keine andere Regierungsform bietet so gute Chancen, mit zu gestalten, wie wir leben und wie wir leben wollen. Ohne aktive Bürgerinnen und Bürger kann keine Demokratie existieren, aber Aktivisten für die Demokratie werden nicht geboren – wie berufliche und andere Kompetenzen auch müssen die demokratischen Schlüsselkompetenzen ausgebildet und ständig weiter entwickelt werden. Demokratie muss gepflegt, also kultiviert werden, und dafür ist politische Bildung unverzichtbar und im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig. Eine demokratische Gesellschaft ist nur so stark wie das Engagement und die kritische Loyalität ihrer Bürgerinnen und Bürger.