Fazit: Bürgerschaftliches Engagement unverzichtbar

Fazit: Bürgerschaftliches, ehrenamtliches Engagement ist für unsere Demokratie unverzichtbar, aber…

Bürgerschaftliches Engagement wirft stets (mindestens) fünf Fragen auf, und es wäre ebenso naiv wie verantwortungslos, die damit verbunden, durchaus heiklen Probleme zu unterschätzen:

  1. Wer steuert und kontrolliert mit welchen Befugnissen das Bürgerschaftliche Engagement? Wer kann notfalls wie schnell korrigierend eingreifen?
  2. Wie gut ist die fachliche Qualifikation derer, die sich ehrenamtlich engagieren, wie zuverlässig arbeiten sie, und mit wie gutem Gewissen kann man sie arbeiten lassen?
  3. Wie und vor allem: wie gut und effizient werden professionelle Unterstützungsstrukturen genutzt? Gibt es Probleme zwischen Kooperation und Konkurrenz zu Lasten Betroffener?
  4. Warum engagieren sich die Beteiligten (Motive und Interessen), wie dauerhaft und wie verantwortungsbewusst arbeiten sie?
  5. Wenn eine Vergütung als (immerhin: sanktionsfähiger) Anreiz entfällt: Wie kann das ehrenamtliche Engagement angemessen ‚honoriert’ werden (Stichwort: „Kultur der Anerkennung“)? Wie kann die Motivation für das Ehrenamt erhalten bzw. geweckt werden?

Bürgerschaftliches Engagement kann nicht ‚top down’ verordnet, geschweige denn: nachhaltig wirksam etabliert werden.

Bürgerschaftliches Engagement muss wachsen und reifen (können), und dabei können, besser: müssen staatliche Unterstützungsstrukturen und professionelle Begleitung unverzichtbare Dienste leisten, aber letztlich bleibt das Ehrenamt eine Sache der Bürgerinnen und Bürger, denen man dafür praxiswirksame, konkrete Mitbestimmungsrechte einräumen muss, und denen man die verdiente Anerkennung nicht versagen darf.

Unbedingt vermieden werden muss der Eindruck, dass (wieder einmal) ‚von oben’ vorgegeben wird, was der Bürger wollen soll. Wenn das bürgerschaftliche Engagement instrumentalisiert werden soll, und wenn es hinter den Kulissen und jenseits der Sonntagsreden vor allem dazu dient, den Abbau staatlicher Leistungen zu bemänteln, die Förderung bewährter Institutionen abzuschmelzen oder professionelle Arbeit zu ‚ersetzen’, merken die Bürgerinnen und Bürger die Absicht, sind verstimmt, fühlen sich ausgenutzt, und das ehrenamtliche Engagement kann rasch in Frustration enden. Dauerhaft kann bürgerschaftliches Engagement nur gedeihen, wenn eine möglichst optimale Balance zwischen der Erfüllung staatlicher Aufgaben, professioneller Arbeit und ehrenamtlichem Engagement gelingt. Und dabei wird die o.a. „Kultur der Anerkennung“ eine entscheidende Rolle spielen.